Frauenfußball

Hunsrückerin bald im Nationaldress?

Marie Pyko träumt von der Europameisterschaft und einer Profikarriere.

Immer wenn die B-Junioren-Bezirksliga-Elf des TSV Emmelshausen auf fremden Plätzen auftaucht, reiben sich gegnerische Spieler samt Anhang verwundert die Augen. Anlass hierzu ist die 15-Jährige Marie Pyko, die sich bei den Jungens ihres Vereins einen Stammplatz erobert hat. Was bei Bambinis, E- und F-Junioren noch Fußballalltag, bei D- und C-Jugend schon eher eine Ausnahme ist, besitzt bei 15- und 16-Jährigen wenn nicht den Hauch von Exotik, so doch zumindest Seltenheitswert. Und wenn dann die junge Dame auch noch spielerisch und kämpferisch mithalten kann, dann wird schnell aus anfänglicher Skepsis Bewunderung und Respekt. Diesen Respekt hat sich Marie redlich erarbeitet. Im zarten Bambini-Alter schleppte sie ihr Bruder mit zum Fußball. Während er später sein Heil im Karatesport suchte, blieb die kleine Göre standhaft und biss sich weiter durch: erst bei den Jungen ihres Heimatvereins Biebernheim, ab D-Juniorenalter in Emmelshausen.

Sie geriet unter die Fittiche von TSV-Jugendtrainer Uwe Erdle. Ein Glücksfall für die wieselflinke, 1,76 Meter große Mittelfeldspielerin. Der ehemalige Vollblutstürmer fraß einen Narren an dem ehrgeizigen Mädel, förderte sie kontinuierlich, verbesserte ihre Technik und integrierte sie in sein Jungenteam. „Wir haben auch manche Sonderschicht geschoben. Zwei Jahre hat es gedauert, bis Marie auch passabel mit dem linken Fuß schießen konnte", erinnert sich der TSV-Coach. Maries Talent blieb auch anderen nicht verborgen. „Sie muss es wohl vom Opa geerbt haben", ist sich ihr Vater Christoph Marx-Pyko sicher. „Denn der spielte einst bei TuS Neuendorf." Kreistrainer Peter Bodenbach und auch Verbands-Coach Clemens Decker ebneten den Weg in Kreis- und Rheinlandauswahl. Sogar beim Deutschen Fußballbund wurde man aufmerksam auf sie. Nach erfolgreicher Sichtung sicherte sich Marie einen Kaderplatz. Bei DFB-Trainer Ralf Peter hat sie einen Stein im Brett. Leider war der Weg ins Nationalteam bisher mit Stolpersteinen gepflastert.

Ein Armbruch verhinderte ihren ersten geplanten Länderspieleinsatz.


Aber damit nicht genug. Sie hatte im Januar bereits die Koffer gepackt fürs Wintertrainingslager in Miami/USA, als man sie kurz vor dem Abflug wieder nach Hause schickte. „Schuld war eine Fehldiagnose", sagt ihr Vater. „Denn wie sich später herausstellte, war der Meniskus gar nicht geschädigt." Marie steckte auch das weg, zumal man ihr versprochen hatte, ihren Stammplatz nicht zu verlieren. Beim U 20-Frauen-Länderpokal Anfang April in Duisburg war sie mit von der Partie. Sie wirkte mit in der U 16-DFB-Auswahl, die als 22. Mannschaft teilnahm. Für Marie ein weiterer Schritt auf dem Weg zu ihrem großen Ziel: die U 17-Europameisterschaft im kommenden Jahr. Im Juni wird es mit dem Kicken mit Jungen vorbei sein. Dann hat die Zehntklässlerin hoffentlich jene Zweikampfhärte, die ihre Trainer von ihr fordern. Denn in der neuen Saison gehen die Uhren anders. Marie Pyko wird wechseln: die Schule und den Verein. „Marie hat es so gewollt", sagen ihre Eltern. Künftig wird sie die DFB-Eliteschule in Ahrweiler besuchen und im angeschlossenen Internat untergebracht sein. Beim Bundesligisten SC 07 Bad Neuenahr soll die hochtalentierte Fußballerin möglichst schnell in der ersten Mannschaft Fuß fassen. So recht nach den Vorstellungen der Hunsrückerin, die neben einem geplanten Sportstudium Profifußball betreiben will. „Marie ist sehr willensstark", betonen Eltern und „Heimtrainer" Erdle unisono. Beste Voraussetzungen also, die gesetzten Ziele auch zu erreichen.

Marie Pyko: Freue mich unglaublich auf Norwegen Frauenfußball - Die beste Fußballerin, die der Rhein-Hunsrück-Kreis bislang hervorgebracht hat, fügt ihrer noch jungen Karriere ein weiteres spannendes Kapitel hinzu. Die gebürtige Biebernheimerin Marie Pyko wechselt mit sofortiger Wirkung in die norwegische Toppserien zu Avaldsnes IL. Der Klub von der Insel Karmøy, die über eine Brücke mit dem Festland verbunden ist, steht als Aufsteiger auf dem achten Tabellenplatz der Zwölferliga. Die Hinrunde ist bereits gelaufen. Marie Pyko will dabei helfen, dass es in der Rückrunde aufwärts geht. Aber das ist längst nicht alles, was die 19-Jährige über das Zustandekommen ihres Wechsel vom Bundesligisten SC Bad Neuenahr, der bekanntlich Insolvenz angemeldet hat, zu erzählen hat. Und zwar nicht nur auf deutsch.

 

Bald beginnt für Marie Pyko  wieder die Vorbereitungszeit, denn in Norwegen ticken die Uhren etwas anders. Die Saison läuft von März bis November. Ab 15. Juli beginnt die Vorbereitung auf die Rückrunde

Hei hei Marie, wie gut beherrschen Sie die norwegische Sprache denn schon? (lacht) Jeg snakker norsk veldig bra. Das heißt laut Übersetzungsmaschine, dass Sie schon sehr gut sprechen. Haben Sie sich genauso gut eingelebt? Ja, ich wohne zusammen mit einer Mitspielerin in einem schönen Holzhaus in Avaldsnes. Es ist genau so, wie man sich das Leben in Norwegen vorstellt. Auch die Lage ist ideal: Drei Minuten bis zum Trainingsplatz, zehn Minuten bis zum Fitnessstudio und fünfzehn Minuten bis zum wunderschönen Sandstrand. Wie kam es denn dazu, dass Sie in die "Toppserien" gewechselt sind? Wir haben Anfang des Jahres mit Bad Neuenahr in der Vorbereitung gegen Avaldsnes gespielt. Den Trainer Roar Wold kannte ich vorher schon, da er beim internationalen Trainerlehrgang in Koblenz war. Ich habe ja bis zum 1. Juni beim Fußballverband Rheinland gearbeitet und dort ein freiwilliges soziales Jahr gemacht. Roar Wold ist unter anderem Spielbeobachter für die norwegischen Nationalmannschaften und kannte mich daher schon aus jüngeren Jahren in den U-Nationalmannschaften. Nach dem besagten Vorbereitungsspiel kamen wir noch mal ins Gespräch und da ich bereits die Vision hatte, ein Auslandsjahr zu machen, habe ich mich nach dem Angebot von Avaldsnes dazu entschieden, hier zu spielen. Für wie lange? Ich habe bis November 2014 unterschrieben, spiele anderthalb Saisons für Avaldsnes. Die Runde geht hier von März bis November, ich bin also ab der Rückrunde dabei. Die Vorbereitung darauf beginnt am 15. Juli, mein erstes Spiel wird am 3. August sein. Was haben Sie sich vorgenommen? Persönlich und mit dem Klub? Avaldsnes ist ja Aufsteiger. Umfragen im Vorfeld der Saison hatten ergeben, dass 90 Prozent der Befragten Avaldsnes unter den "Top 4" in Norwegen sieht. Leider lief die Hinrunde nicht ideal, wir befinden uns im Mittelfeld. Man möchte aber das Team in der Sommerpause noch weiter verstärken und wie es dann zum Ende der Saison aussieht, wird man sehen. Ich sehe es als große Herausforderung an, mit einem Aufsteiger, der das erste Mal in seiner Geschichte in der ersten Liga ist, oben mitzuspielen und die Liga aufzumischen. Ich möchte auf jeden Fall meinen Teil beitragen, dass sich die Prognosen Ende des Jahres erfüllen.